9. Wunde

Reiter

Die folgenden Bilder zeigen Beispielbefunde, die im Langzeitverlauf auftreten können. Diese erklären wir zunächst und machen Ihnen Vorschläge für eine mögliche Behandlung.

Hypertrophe Narben

  • In der Regel funktionell unproblematisch
  • Schmerzen? 
    • DANN: 
      • Narbenmassage (manuell+lokale Salben),
      • Kompression
      • Silikoneinlage
    • chirurgische Narbenexzision birgt Gefahr des Rezidivs
      • konservative Therapie vor Revision ausschöpfen

Spalthautareale am Stumpf

  • Prädestiniert für Druckulzerationen durch die minderwertige Hautqualität,
  • reduzierte/fehlende Sensibilität und fehlende Selbstfettung
    • Konsequentes Einfetten/Eincremen
    • Polsterzonen im Schaft bedenken
A: Hypertrophe Narbe; B und C: Spalthaut. © Klinik für Unfallchirurgie, MHH

Knöcherne Prominenzen

  • Folgende Manifestationen sind möglich:
    1. Überschießende Knochenheilung/Knochenbildung (heterotope Ossifikation)
    2. Knöcherne Prominenzen als Folge von insuffizienter Weichteilbildung 
      • Kein Schmerzen? Keine Probleme?
        • DANN: 
          • keine Intervention erforderlich
      • Schmerzen? Auslöser für Druckulzerationen?
        • DANN:  
          • Schaftanpassung( Abpolsterung, etc.)
          • Resektion der Exostose/ Rückkürzung des Knochens,
          • Optimierung der Weichteildeckung durch z.B. Plastiken
© Klinik für Unfallchirurgie, MHH

Neurome - "Elektrisierende Schmerzen"

  • Neuropathischer Schmerz durch Fehlaussprießen der Nerven
  • Klinische Symptome:
    • „Elektrisierender“ Schmerz
    • auslösbar durch beklopfen an einer extakt gleichen Stelle (Hoffmann-Tinel-Zeichen) mit Ausstrahlung ins ehemalige Innervationsgebiet
  • Therapie:
    • nicht operativ:
      • Schaftanpassung mit dem Ziel von Reduktion der Druckexposition auf das Neurom
      • medikamentös: antineuropathisch wirksame Analgetika
    • interventionell:
      • Infiltration mit Lokalanästhesie
      • Kryoablation
    • operativ:
      • unter Beachtung der Prinzipien der peripheren Nervenchirurgie
        z.B. Neuromresektion, RPNI, TMR
Lokalisation des Hoffmann-Tinel-Zeichen, N. peroneus. © Klinik für Unfallchirurgie, MHH

Neurom - chirurgische Versorgung 

  • Ziel: Nerv aus der druckbelasteten Zone in die Tiefe verlagern
  • Neuromresektion
  • Lokale Infiltration mit Ropivacain/ Anlage Schmerzkatheter
  • Nerveneinbettung in freies, avaskuläres Muskelgraft (RPNI)
  • Nerv – Nerv – Neurotization (TMR)

Siehe: Poppler, L. H., Parikh, R. P., Bichanich, M. J., Rebehn, K., Bettlach, C. R., Mackinnon, S. E., & Moore, A. M. (2018). Surgical interventions for the treatment of painful neuroma: a comparative meta-analysis. Pain, 159(2), 214

Aus: Eberlin, K. R., & Ducic, I. (2018). Surgical algorithm for neuroma management: a changing treatment paradigm. Plastic and Reconstructive Surgery Global Open, 6(10).

Druckläsionen

  • Isolierte, schmerzhafte Rötung, nicht intakter Hautweichteilmantel?
    • DANN: 
      • Unmittelbar: Prothesentragepause, Abpolsterung, Schaftoptimierung, Stumpfpflege und Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der Haut (Einfetten)
  • Zusätzlichen Infektzeichen?
    • DANN:
      • Siehe: Rötung  
A: Druckläsion; B: Druckulzeration. © Klinik für Unfallchirurgie, MHH

Druckulzerationen 

  • 1.-2. gradiger Ulzeration:
    • Konservative Therapie mittels Antiseptische Wundspülung, Antiseptische Wundverbände, Schaftoptimierung, Umfelddiagnostik Diabetes? Polineuropathie?
  • Ab 3. gradiger Ulzeration:
    • operative Revision (Wundexzision im Gesunden, Deckung mittels lokaler Lappenplastik, Spalthaut etc.), Schaftoptimierung, Umfelddiagnostik Diabetes? Polineuropathie?
  • Unabhängig vom Tiefegrad
    • Bei zusätzlichen Infektzeichen: Siehe: Rötung  

Verruköse Hyperplasie/ Verhornung

  • Verhärtung, dunkle Verfärbung häufig durch  lymphostatischer Stauungspapillomatose
  • Zeichen einer Drucküberlastung?
    • DANN: 
      • konservativ Therapie:
        • mittels Druckentlastung
        • Tragepause Prothese
        • Anpassung des Schaftes
        • Polsterung
  • Schmerzen und Ulzeration?
    • DANN: 
      • Siehe: Druckläsionen/ -ulzerationen
Verruköse Hyperplasie; Verhornung. © Klinik für Unfallchirurgie, MHH

Blasenbildung

  • Zeichen einer Drucküberlastung?
    • DANN: 
      • konservativ Therapie:
        • mittels Druckentlastung
        • Tragepause Prothese
        • Anpassung des Schaftes
        • Polsterung
  •  Schmerzen und Ulzeration?
    • DANN: 
      • siehe: Druckläsionen/-ulzerationen
Blasenbildung. © Klinik für Unfallchirurgie, MHH

Abszess / Fistel: Abszesse immer operativ entlasten („Ubi pus ibi evacuat“)

  • bei stabilen Fisteln mit Ablauf kann eine konservative Therapie erwogen werden
  • immer eine knöcherne Beteiligung / Osteomyelitis ausschließen (Röntgen, Biopsie, MRT)
  • operativ:
    • Abszess entlasten und großräumig ausräumen inkl. Knochenresektion bei knöcherner Beteiligung/Osteomyelitis ggf. mehrzeitiges Vorgehen
Abszess. © Klinik für Unfallchirurgie, MHH
Stabile Fistel. © Klinik für Unfallchirurgie, MHH

Prothesenrandknoten (Epidermoidzysten) / Haarfollikulitis

  • Entstehen durch kleine Keratinansammlungen und dermale Invagination, oft am Prothesenrand mechanischer Reiz und Schweiß
  • konservativ:
    • Prothesentragepause,
    • (topische) Antibiotikatherapie,
    • Schaftoptimierung
  • Operativ:
    • Exiszion
Prothesenrandknoten © Klinik für Unfallchirurgie, MHH

Kontaktdermatitis

  • Entsteht durch Schweiß, Prothesenmaterialien und Stumpftextilien
    • konservativ:
      • Allergen Eliminierung
      • symptomatische Therapie
      • Hygiene und Pflege Stumpfes & Schaftes
      • Schaftanpassung
Kontaktdermatitis; © Klinik für Unfallchirurgie, MHH