5. Prothese
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Folgeversorgung: Um die Versorgung dauerhaft zu gewährleisten, ist es wichtig, regelmäßig Wartungen an der Prothese im Sanitätshaus durchführen zu lassen. Nach einer gewissen Zeit ist es aus Sicherheitsgründen notwendig, einzelne Komponenten oder die gesamte Prothese auszutauschen.
Prothesenlösungen im Überblick
- Mit einer Prothese sind heute viele Alltags- und Freizeitaktivitäten ohne größere Einschränkungen möglich. Voraussetzung hierfür ist eine Versorgung, die den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Betroffenen entsprechen.
- Für fast alle Einsatzgebiete und für nahezu jede Amputationshöhe stehen orthopädietechnische Lösungen zur Verfügung, die sowohl optisch als auch funktionell ein hohes Maß an Lebensqualität zurückgeben oder erhalten können.
1. Myoelektrische Armprothesen
Myoelektrische Prothesen wandeln Muskelimpulse in elektrische Signale um, und leiten diese als Steuerbefehl an die Elektronik der Prothese weiter. Durch das An- und Entspannen der verbliebenen Beuge- und Streckmuskeln im Stumpf entsteht aufgrund biochemischer Vorgänge eine elektrische Spannung im Mikro-Volt- Bereich, die auf der Haut messbar ist. Je nach Stärke der Kontraktion kann der Prothesenträger selbst entscheiden, ob die jeweilige Bewegung der Hand oder eines Greifgerätes schnell, langsam, kräftig oder sanft ausgeführt werden soll. Neben seiner Funktionalität zeichnet sich dieses Prothesensystem durch einen hohen Tragekomfort sowie ein ansprechendes und natürliches Erscheinungsbild aus.
Der Umgang mit der myoelektrischen Prothese - In drei Phasen zum Erfolg
- Phase 1: Kontrolle gewinnen (Interimsphase): Im Kontroll-Training geht es zunächst darum, dass sich die Betroffenen mit der Prothese vertraut machen. Der Techniker stellt zuerst die Elektroden ein, um anschließend die ersten Bewegungen der Prothesenhand zu analysieren. Ziel des Kontroll-Trainings ist es, dass die Prothesenhand präzise ansteuern und effizient eingesetzt werden kann (das heißt, dass die Amputierten „Kontrolle“ über die Prothese gewinnen).
- Phase 2: Immer sicherer werden (Definitivversorgung): In dieser Phase wird das Greifen und Loslassen verschiedener Objekte in unterschiedlichen Ebenen und Achsen trainiert. Bei der Auswahl der Objekte sollte auf eine möglichst große Bandbreite an Größen, Formen, Oberflächenbeschaffenheiten und Widerständen geachtet werden. Die Übungen sollten so ausdauernd trainiert und wiederholt werden, bis die Steuerung der Prothese verinnerlicht ist.
- Phase 3: Alltagsaktivitäten trainieren (Erhaltungsphase): Mit einer myoelektrischen Prothese werden ganz neue Bewegungsfreiheiten gewonnen. Das sollte Patientinnen motivieren, auch wenn es im Training einmal nicht so schnell vorangeht. Mit der Zeit werden aus den Bewegungen natürliche Abläufe, die immer leichter fallen. Wichtig ist, dass die Prothese in den gewünschten Situationen einsetzt werden kann. Die Übungen können bequem allein, mit Freunden oder mit der Familie durchführt werden. Das kontinuierliche Tragen der Prothese im Alltag stellt automatisch ein Training dar. Die angestrebte Selbstständigkeit wächst von Tag zu Tag. Bewegungsabläufe, über die Patienten vorher wahrscheinlich nie nachgedacht haben, müssen mit einer Prothese ganz neu erlernt werden. Es braucht vor allem Zeit, Übung und Geduld bis die Prothese ein verlässliches Hilfsmittel im Alltag ist. Die Themen Führerschein, Autoumbau, Prothesengebrauchstraining und der sichere Umgang mit der Prothese werden die Patienten in der nächsten Zeit beschäftigen.

2. Mechanische und zugbetätigte Armprothesen
Hierbei handelt es sich um sogenannte Eigenkraftprothesen. Die Ansteuerung der einzelnen Komponenten erfolgt über gezielte Bewegungen des Schultergürtels und des Oberkörpers. Aufgrund der einfachen Mechanik sind sie sehr robust, einfach in der Handhabung und eignen sich besonders für manuelle Tätigkeiten unter erschwerten Bedingungen, wie zum Beispiel bei Staub, Feuchtigkeit, Hitze oder im Wasser. Je nach Bedarf können verschiedene Greifgeräte unkompliziert getauscht werden.


3. Passive bzw. kosmetische Armprothesen
Eine passive Armprothese erfüllt in erster Linie eine ästhetische Funktion und dient zur Vervollständigung des Körperbildes. Dennoch können im Alltag Gegenstände abgestützt werden und sie kann bei bestimmten Tätigkeiten als Gegenhalt dienen. Durch den Verzicht auf aktive Funktionselemente ist sie sehr leicht und eignet sich besonders für hohe Amputationshöhen. Trotz der relativen Leichtigkeit gleicht die Prothese das Gewicht des fehlenden Körperteils aus und beugt so Haltungsschäden vor.

Der Schaft als zentrales Element einer Armprothese: Finger-, Hand- und Armprothesen setzen sich aus unterschiedlichen Komponenten zusammen. Diese werden individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt. Jede Prothese besitzt zunächst einmal einen individuellen Schaft, der den Stumpf umschließt. Der Schaft hat eine zentrale Funktion: er ist die direkte Verbindung zwischen Anwender und Prothesentechnik. Die Verbindung erfolgt unmittelbar über die Haut, eine optimale Passform ist der Schlüssel zu Funktion und Tragekomfort der Armprothese. Besonders bewährt hat sich die Versorgung mit einem aus HTV- Silikon gefertigten Innenschaft. HTV- Silikon steht für einen flexiblen, hautfreundlichen und bequemen Tragekomfort. Das Material ist leicht zu säubern und verfügt über sehr gute Hafteigenschaften. Dadurch hält die Prothese ohne zusätzliche Verklammerungen oder zusätzliche Verschlüsse am Stumpf. Alternativ kommen thermoplastisch flexible Kunststoffmaterialien zum Einsatz.

Versorgungsoptionen in Abhängigkeit der Amputationshöhe
Fingerprothese in Silikontechnik: In Silikontechnik lassen sich täuschend ähnliche Finger- und Teilhandprothesen herstellen. Durch unterschiedliche Härten im Silikon und stabilisierende Einbauteile lässt sich auch z.B. ein deutlich stabilerer Gegengriff erzielen. In Abhängigkeit zur Stumpflänge existieren unterschiedliche Schaftarten wie die Kurzschaftversorgungen, Langschaftversorgungenund Silikonfingerprothesen mit Klebelappentechnik. Diese können individuell eingefärbt und mit den gewünschten Silikon- oder Acrylnägeln bestückt werden. Die Stumpflänge stellt ebenfalls einen Indikator für die funktionale Zielrichtung der prothetischen Versorgung dar. Totale Fingeramputationen können zwar ästhetisch sehr ansprechend versorgt werden, haben jedoch aufgrund der fehlenden Hebellänge des Stumpfes eine eher schlechte Funktion. Bei einem Fingerstumpf ab 2cm erreichen wir gute funktionale Ergebnisse.
Mechanische Fingerprothesen: Eigenkraftprothesen sind sehr robust und kommen bei Patienten mit grob- und feinmotorischen Tätigkeiten zur Anwendung. Diese Prothesen können auch Nässe, Staub und Schmutz ausgesetzt werden und sind demzufolge für unterschiedliche Arbeitsumgebungen geeignet. Biomechanische Fingerprothesen werden durch die von der Stumpfbeugung erzeugte Kraft betrieben. Die sehr mechanisch anmutenden Prothesen nutzen verbliebene Gelenke und die Anatomie zur Wiederherstellung von Länge, Geschicklichkeit und Greifkraft.
Teilhandprothesen in Silikontechnik: Bei der Anfertigung von Teilhandprothesen in Silikontechnik gilt folgender Grundsatz: Die prothetische Konstruktion - gleich wie geartet - sollte die noch vorhandenen Funktionen weder behindern oder limitieren. Die Silikonprothesen sorgen für einen unauffälligen kosmetischen Ausgleich des Amputationsdefekts. Sie sorgen für einen funktionellen Zugewinn in Bezug auf den Gegengriff und die Vervollständigung der Handgröße. Zusätzlich bietet die Prothese eine Schutzfunktion für den Amputationsstumpf. Geht es allein um Funktion, kann mit Hilfe von Ess-, Schreib- und Greifhilfen eine Funktionsunterstützung erreicht werden.
Mechanische Teilhandprothesen: Mechanische Teilhandprothesen bieten passiv positionierbare Prothesenfinger. Diese sind für die Finger 2-5 konzipiert. Diese Komponenten werden in Verbindung mit einem vom Orthopädietechniker konzipierten und maßgefertigtem Schaft eingesetzt. Der Anwender kann die Finger mithilfe seiner/ ihrer anderen Hand oder einer harten Oberfläche verschiedengradig beugen. Die Finger können mechanisch gelöst und vollständig ausgestreckt werden. Diese Konstruktionen sind für das Tragen von hohen Lasten konzipiert. Eine Fingerspitzenpolsterung aus Silikon ermöglicht die Nutzung moderner Kommunikationsmedien.
Myoelektrische multiartikulierende Teilhandprothesen: Die Versorgung mit myoelektrischen Partialhandsystemen stellt für den Handamputierten und den Orthopädietechniker eine große Herausforderung dar. Die Möglichkeit, mit diesen Prothesen wieder zu einem aktiven Greifen zu gelangen erfordert ein ausführliches therapeutisches Funktionstraining. Da diese Prothesenvariante zum Betrieb technische Zusätze wie Controller, Akkumanagement und die Verbindungskabel zwischen den Komponenten benötigt, ist in den meisten Fällen eine Einbindung des Unterarms durch eine Manschette nicht zu umgehen.
Unterarmprothesen - Mechanisch/ Zugbetätigt: Zugbetätigte Armprothesen sind Eigenkraftprothesen. Dabei handelt es sich um sogenannte aktive Greifarme, bei denen die Prothesenfunktion über die eigenen Körperkräfte, z. B. des Stumpfes und/ oder des Schultergürtels, gesteuert werden. Die Bewegung wird über eine Kraftzugbandage, die meist vom Prothesenarm über den Rücken zur Schlaufe um die gesunde Schulter verläuft, an der Prothese eingeleitet. Bei einer Unterarmprothese erfolgt durch das gezielte Bewegen der gesunden Schulter oder beider Schultern das Öffnen der Prothesenhand oder des Hooks. Was so einfach klingt, setzt einen intensiven Lernprozess voraus. Erst dann können die Prothesenfunktionen reibungslos koordiniert und kontrolliert werden. Vorteile der Eigenkraftprothese sind die einfache und robuste Mechanik und der günstige Anschaffungspreis. Außerdem eignet sich die Prothese für schwere handwerkliche Arbeit und für Personen, die sehr viel im Wasser hantieren. Die zum Steuern der Prothesenfunktion notwendigen unnatürlichen Körperbewegungen sind die Nachteile dieses Prothesentyps.
Myoelektrische Unterarmprothese: Myoelektrisch gesteuerte Armprothesen sind Fremdkraftprothesen, das heißt, sie werden nicht über die Muskelkraft des Patienten, sondern mit Hilfe elektrischer Energie angetrieben. Bei jeder Kontraktion eines Muskels entsteht aufgrund biochemischer Vorgänge eine elektrische Spannung im Mikro-Volt-Bereich, welche auf der Haut gemessen werden kann. Dies gilt auch für die erhaltene Restmuskulatur nach einer Amputation. Der hohe funktionelle Nutzen dieses Prothesensystems hat entscheidenden Einfluss auf das Rehabilitationsergebnis. Da myoelektrische Prothesen darüber hinaus ein ansprechendes Erscheinungsbild sowie Tragekomfort bieten, haben sie sich als Standard etabliert. Bei den Versorgungen kommen unterschiedliche Elektrohände zum Einsatz.
System-Elektrogreifer erlauben ein präzises Arbeiten und ein kraftvolles Zugreifen, was den Nutzer sowohl bei filigranen Tätigkeiten als auch beim Hantieren mit schweren Gegenständen unterstützt. Diese Eigenschaften zusammen mit seiner robusten Bauweise machen den Elektrogreifer, insbesondere für handwerkliche tätige Personen zu einer unverzichtbaren Ergänzung zur System- Elektrohand.
Multiartikulierende Hände kommen zum Einsatz, wenn unterschiedliche Griffmuster gewünscht werden. Der Daumen ist aktiv beweglich und lässt sich mit den Myosignalen aus den üblichen Oberflächenelektroden von der Oppositionsstellung in den Lateralgriff steuern. Es können unterschiedliche Griffformen imitiert, programmiert und gespeichert werden. So begeisternd die multiartikulierenden Handsysteme in der Imitation der Handbewegung anmuten, so kritisch muss auch das tatsächliche Ergebnis im Alltag betrachtet werden. Besonders die reduzierte Griffkraft und die im Vergleich zu den Systemhänden reduzierte Geschwindigkeit muss berücksichtigt werden. Die gezielte Ansteuerung der Handfunktionen bedarf einer professionellen Therapie und Gebrauchsschulung.
Oberarmprothesen: Von ausschlaggebender Bedeutung für die indikationsgerechte Auswahl der Passteile und der Prothesenkonstruktion sind Stumpflänge und Stumpfqualität, insbesondere die vorhandenen und trainierbaren Muskelaktionspotentiale. Hier kommen Myoelektrische Oberarm- Hybridprothesen mit gesperrten Ellbogengelenken und Myoelektrischen Händen zum Einsatz. Ebenso können Myoelektrisch gesteuerte Ellbogenpassteile (z.B. Dynamik Arm) zum Einsatz kommen. Individuelle Silikonliner in Verbindung mit einem Thermoplast-Innenschaft ermöglichen das eigenständige Anlegen der Prothese. Falls möglich, sollten Bandagen zur kontralateralen Seite die Ausnahme darstellen. Motivierte Patienten im interdisziplinären Setting sind hier zu außergewöhnlichen Erfolgen imstande.

Schulterexartikulationprothesen: Bei Amputationen im Schulterbereich sind Modularprothesen mit ihren guten kosmetischen Eigenschaften und der einfachen Handhabung oft die Konstruktion der Wahl. Die Nutzung aktiver Prothesen stellen extreme Anforderungen an das Rehabilitationsteam und den Patienten. Erfahrungsgemäß steht der Rehabilitationserfolg mit myoelektrischen Passteilen in keinem Verhältnis zu den verursachten Kosten.










