9. Wunde

Reiter

Nach der Operation braucht der Körper zunächst Zeit und Ruhe für die Wundheilung. Das stationäre Pflegepersonal sowie speziell geschulte Therapeuten kümmern sich um die tägliche Versorgung des Stumpfes sowie die richtige Lagerung und unterstützen bei der Mobilisierung. Der Heilungsprozess wird dabei kontinuierlich von den Ärzten überwacht. Ist die Operationswunde geschlossen, beginnen bereits in dieser frühen Phase die ersten Therapiemaßnahmen, um den Patienten bestmöglich auf das Tragen der Prothese vorzubereiten. Dazu gehört die Ödem- und Kompressionstherapie sowie die Pflege der Narbe.

Die folgenden Bilder zeigen Beispielbefunde, die im Wundheilungsprozess auftreten können. Diese erklären wir zunächst und machen Ihnen Vorschläge für eine mögliche Behandlung. 

ACHTUNG!!!  Bei folgenden Befunden (Infektzeichen) MUSS man handeln: 

  • Überwärmung 
  • Schmerz 
  • Schwellung 
  • Rötung 
  • Schmerzen bei Bewegung, Bewegungseinschränkung
  • Fieber
  • erhöhte  Entzündungswerte im Blutbild

©Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Madlen Ort

Rötung - Was, wenn die Wunde gerötet ist?

  • Flächige Rötung und Schwellung?
  • Fieber?
  • Leicht überwärmt, druckschmerzhaft (d.h. es schmerzt, wenn man den Stumpf anfasst)? 
  • Gibt es Zeichen einer Lymphangitis/-adenitis?
    • DANN:
      • Rötung am Rand entlang markieren, um Progredienz zu dokumentieren !
  • Entzündungsparameter steigend?
    • DANN:
      • engmaschige Wundkontrolle  + Antibiose, vorher Abstrich aus der Wunde nehmen 
      • bei Progredienz ggf. chirurgische Revision reevaluieren, involvieren Sie einen Arzt!
  • nur isolierte Schwellung? eher Ödem?
    • DANN:
      • Kompression / Wicklung solange keine paVk
  • Rein seröse (klare)  Wundsekretion? Porus? Wundserom?
    • DANN:
      • engmaschige Wundkontrolle + Antibiose, vorher Abstrich, ggf. Punktion
      • bei Progredienz ggf. chirurgische Revision 
Rötung der Wunde. ©Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Madlen Ort

Liegt ein Hämatom vor?

  • Schwellung? Prall?
  • Ggf. isoliert / bläulich-livide Haut?
    • DANN: Abwarten, ggf. Heparinsalbe o.ä.
  • Bläulich + Schwellung oder sogar Spannungsblasen?
    • DANN: 
      • Eröffnung der Blasen
      • Punktion oder operative Entlastung des Hämatoms
      • Drainage
  • Bläulich + Rötung, Schmerzen?
    • DANN:
      • Antibiose bei erhöhten Infektwerten
      • operative Revision bei progredienter Rötung, Schwellungszunahme und Volumen-Hämatom >60ml
Hämatom. ©Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Madlen Ort

Sind die Wundränder livide?

  • Livide Wundränder?
    • DANN:
      • Abwarten bis Demarkierung, Wunde trocken halten
      • keine feuchten Verbände
      • ggf. Jod-Tinktur (trocknet die Wunde aus)
  • Livide Wundränder + Rötung?
    • DANN:
      • Antibiose bei Infektwerten
      • Stumpf hochlagern
  • Nässend?
    • DANN:
      • Antiseptische Wundverbände
      • Wunde trocken halten
      • keine feuchten Verbände
      • ggf. Jod-Tinktur
Livide Wundränder. ©Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Madlen Ort

Was tun, wenn eine Nekrose vorliegt?

  • Isolierte schwarze Verfärbung, Nekrose?
    • DANN:
      • Abwarten, trockene Wundverbände, möglicherweise fällt die Nekrose als Schorf ab und erfordert keine weiteren Schritte
      • wenn verbleibender Defekt nicht durch sekundäre Wundheilung ausheilen kann (z.B. weil zu groß), dann Spalthauttransplantation oder Nachamputation erwägen 
  • Schwarze Verfärbung, Nekrose und nässend?
    • DANN:
      • Operative Entfernung der feuchten Nekrose bis sich gut blutender Wundrandzeigt,
      • ggf. Hauttransplantation, Nachamputation bei allschichtigem Defekt ohne Verschlussmöglichkeit
  • Schwarze Verfärbung mit umgebener Rötung?
    • DANN:
      • Antibiose bei Infektparametern, wenn keine Kontrolle des begleitenden Infekts operative Entfernung der feuchten Nekrose bis sich gut blutender Wundrand zeigt
      • ggf. Nachamputation bei allschichtigem Defekt ohne Verschlussmöglichkeit
Nekrose. ©Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Madlen Ort

Was tun, wenn Sekretion aus dem Stumpf kommt?

  • Leichte-mäßige gelblich-eitrigeSekretion? Massive rötlich-blutige Sekretion? Gemischte Sekretion?
  • Keine Infektzeichen
    • DANN:
      • unter Kompression ausdrücken,
      • Gewinnung von Abstrichen,
      • saugender & antiseptischer Verband
      • engmaschige Labor und Wundkontrolle
  • Massive gelblich-eitrige Sekretion? Massive rötlich-blutige Sekretion? Gemischte Sekretion
  • Mit Infektzeichen
    • DANN:
      • unter  Kompression ausdrücken, Gewinnung von Abstrichen, saugender & antiseptischer Verband
      • engmaschige Labor und Wundkontrolle
  • Persistierend
    • DANN:
      • Operative Revision
      • Ausräumung
      • Debridement
      • ggf. 2nd look / VAC-Therapie
      • primärer-sekundärer Wundverschluss
©Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Madlen Ort

Fallbeispiele

Rötung + Blasenbildung/ subkutanes Hämatom und Abzess → Rötung markieren, tgl. reevaluieren → empirische Antibiose nach lokalen Resistenzen, nach Abstrich aus Hämatom/ Abzess antbiogrammgerecht → Antiseptische Wundverbände → (sonographisch/klinisch) weniger als 60ml und keine erhöhten Infektparameter → keine interventionelle Therapie notwendig → >60ml + erhöhte Entzündungswerte  → chirurgische Hämatom-Ausräumung. ©Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Madlen Ort
Trockene Nekrose/ Schorf und leichte Rötung → Abwarten bis zur Demarkierung → Trocken verbinden bis sich die Nekrose von selbst löst → Aktuell kein operativer Handlungsbedarf → Kompression durch Liner/Kompressionsstrumpf zurückhaltend → Hochlagern und Prothesentragepause. ©Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Madlen Ort
Trockene Nekrose → Abwarten  → Trocken verbinden → Wenn allschichtig: operative Nekrosektomie (Primärverschluss, Spalthaut, Lappendeckung, Nachamputation). ©Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Madlen Ort
Hämatom (sonographisch/klinisch) < 60ml und keine erhöhten Infektparameter → keine interventionelle Therapie notwendig >60ml + erhöhte Entzündungswerte  → chirurgische Hämatom-Ausräumung. ©Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Madlen Ort
Reizlose Wunde → Fortsetzung regelmäßiger Verbandswechsel und Wundkontrollen → Ggf. mit Kompression (Wicklung-Strumpf-Liner) → Stumpf hochlagern. ©Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Madlen Ort