2. Für Patienten und Angehörige
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Nach einer Amputation können Sie mit verschiedenen Gefühlen konfrontiert werden:
- Wut
- Fassungslosigkeit/Verleugnung
- Verhandeln
- Tiefe Trauer, Depression
- Akzeptanz

- Wut: Sie können wütend werden, wenn Sie beginnen, die mit dem Verlust verbundenen Gefühle zu verarbeiten. In der Phase der Wut sind Sie vielleicht frustriert, nachtragend, reizbar oder pessimistisch.
- Verleugnung: Die Verleugnung hilft Ihnen den Schmerz über den schweren Verlust zu lindern. Es kann sich wie Betäubung, Schock oder Verwirrung anfühlen. In der Verleugnungsphase vermeiden Sie möglicherweise durch die Verleugnung an den Verlust zu denken oder darüber zu sprechen.
- Verhandeln: Inneres Verhandeln kann sich ähnlich wie Schuldgefühle, Angst und Unruhe anfühlen. In der Verhandlungsphase denken Sie vielleicht viel an die Vergangenheit zurück und wünschen sich, etwas anders gemacht zu haben, um die Amputation vielleicht zu vermeiden.
- Tiefe Trauer, Depressionen: Irgendwann wird Ihnen bewusst, dass Verhandeln keine Option ist. Sie beginnen, die Situation realistisch zu betrachten und spüren die Intensität Ihres Verlusts. Diese Gefühle sind von Traurigkeit, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Enttäuschung gekennzeichnet. Sie können weniger Energie haben und sich zurückziehen.
- Akzeptanz: Wenn Sie Akzeptanz erreicht haben, kämpfen Sie nicht mehr gegen die Realität an und versucht auch nicht mehr, sich etwas Anderes zu wünschen. Sie können immer noch traurig sein, aber es ist weniger wahrscheinlich, dass sie Wut empfinden oder Ihren Verlust leugnen. Sie sind in der Lage, mithilfe von Bewältigungsstrategien in der Gegenwart zu leben, mit schwierigen Gefühlen auf gesunde Weise umzugehen und ehrlich über Ihre Gefühle zu sprechen. Viele Amputierte beschreiben, dass Sie Akzeptanz durch die Mobilisation an oder auf der Prothese erreicht haben.
Nicht jeder Mensch bewältigt die Situation gleich und erfährt diese Phasen in derselben Reihenfolge und Frequenz. In einer stressigen Situation reagieren Sie mit unterschiedlichen Bewältigungsstrategien, d.h. Sie unternehmen vielfältige Anstrengungen, um Ihr Wohlbefinden wiederzuerlangen oder zu erhalten. Das Wichtigste dabei ist zur Akzeptanz (zurück-) zu finden. Dafür muss jeder Mensch seinen individuellen Bewältigungsweg entwickeln. Anpassung ist das Ergebnis der Anwendung verschiedener Bewältigungsstrategien.
Nach einer Amputation können Sie mit weiteren belastenden Situationen wie Schmerzen, dem kurzzeitigen Verlust der Unabhängigkeit und Problemen mit dem neuen Körperbild konfrontiert sein. Möglich ist auch, dass Ihre gewohnten Bewältigungsfähigkeiten stark beansprucht sind, so dass Sie mit anstehenden Aufgaben überfordert sind.
Folgende Bewältigungsstrategien können hilfreich sein, um den neuen Körper und die neue Lebenssituation zu akzeptieren:
- Selbstkontrolle (Self-controlling)
- Suche nach Soziale Unterstützung (social support)
- Positive Neubewertung der Situation durch Aufarbeitung (positive reappraisal)
- Planvolles Lösen von Problemen (Planful problem solving)
- Distanzierung (Distancing)
- Konfrontative Bewältigung (Confrontive coping)
- Flucht-Vermeidung (Escape-avoidance)
- Übernahme von Verantwortung (Accepting responsibility)
Hier sind ein paar Tipps und Beispiele:
- Selbstkontrolle
- Selbstkontrolle über den veränderten Körper zurückzuerhalten gelingt erfolgreich durch Wiedererlangung der Körperkontrolle. Kleine Erfolge durch gezielte Gleichgewichtskontrolle in der Physiotherapie und durch eigenes Training, regelmäßiges Schlafen (Tagesablaufkontrolle), gute Ernährung- durch Selbstgestaltung und Selbstkontrolle erfahren ist sehr effektiv. Informationen und Tipps können Ärzte, Schwestern, Techniker, Therapeuten oder das Web geben. Durch Information können gezielt Unsicherheiten & Ängste abgebaut werden. Motivation: Aktiv statt passiv!
- Soziale Unterstützung
- Alle Mitbeteiligten im Versorgungsprozess, Familie & Freunde, sogenannte Peers (selbst Betroffene) können eine gute Unterstützung geben. Praktischer und emotionaler Support können sehr effektiv Traurigkeit, Angst und Isolation abbauen.
Peer-Support beschreibt die Unterstützung und Beratung durch Betroffene. Der Peer-Support ermöglicht andere Amputierte zu beobachten und von ihnen lernen, wie Herausforderungen "erfolgreich" gemeistert werden können. Besonders effektiv ist Peer-Support im Abbau von Angst (vor dem Unbekannten, der neuen Situation). Das Netz bietet zahlreiche Möglichkeiten um mit Betroffenen in Kontakt zu treten, z.B.:- Instagram
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- Amputee Coalition
- Limbs4life
- Instagram
- Alle Mitbeteiligten im Versorgungsprozess, Familie & Freunde, sogenannte Peers (selbst Betroffene) können eine gute Unterstützung geben. Praktischer und emotionaler Support können sehr effektiv Traurigkeit, Angst und Isolation abbauen.
- Positive Neubewertung
- Bewerten Sie Ihre Situation neu und versuchen Sie dies positiv zu tun. In einfachen Worten heißt das: nicht Schwarzmalen! Der Perspektivenwechsel gelingt, wenn Sie sich an Ihre eigenen Leistungen erinnern, sowohl in Bezug auf die Rehabilitation und Genesung als auch auf das Leben im Allgemeinen. Think positive!
- Planvolles Lösen
- Ein Plan ist wie ein Kompass: man irrt nicht im Dunkeln. Er gibt Sicherheit. Ein guter Einstieg ist die Teilnahme an einfachen, sinnvollen Lebensaktivitäten wie Duschen, sich mit Freunden treffen, Spazieren, Frühstück vorbereiten, sich einfach Normalität verschaffen. Sie können versuchen aktiv Tagesplänen anzulegen, um mehr Struktur zu erfahren. Dies ist ein sehr effektives Tool, insbesondere bei initialer Hilflosigkeit. Planen ist Selbstbestimmung und bedeutet für Sie ein Gefühl der Normalität und kann helfen ein gutes Selbstwertgefühl (zurück) zu erlangen.
- Konfrontation
- Wer kennt dies nicht? Aufstehen und Wegrennen, um so die Sorgen, Ängste und beunruhigenden Gedanken einfach hinter sich lassen. Dies geht schnell und tut manchmal gut - häufig leider nur kurzfristig. Es ist langfristig allerdings effektiver und gesünder, wenn Sie Ihr neues Selbstbild akzeptieren und lieben lernen.
- Tritt vor den Spiegel, schau Sie sich an! Das sind Sie!
- Pflegen Sie Ihren Körper, streicheln Sie Ihren Stumpf, cremen ihn ein, massieren ihn, fühlen Sie sich selbst! Das ist Ihr neues ICH!
- Mehr Tipps im Web.
- Distanzierung
- Warum distanzieren? Definieren Sie sich neu! Akzeptieren Sie Ihr neues ICH! Wagen Sie den Sprung ins kalte Wasser! Sie sind ein selbstbestimmter Mensch und kein Dauer-Patient. Sobald Sie die Klinik verlassen haben, sollten Sie langsam, mit Vertrauten das Krankenhaushemd ablegen und immer mehr Dinge selbstständig erledigen. Trauen Sie sich! Ablenkung wird Ihnen dabei helfen. Werden Sie aktiv. Machen Sie sich frei von den Kommentaren anderer Menschen! Ärgern Sie sich nicht über komische, unangebracht oder verletzende Bemerkungen anderer Personen. Viele Menschen wissen einfach nicht, wie sie mit Amputierten umgehen sollen. Oder sind von ihren eigenen Emotionen Ihnen gegenüber gelähmt und verunsichert. Nehmen Sie sich diese Reaktionen nicht zu Herzen!
- Verantwortung
- Es ist nun Zeit für Ihr neues Ich Verantwortung zu übernehmen. Je fitter Sie sind, umso einfacher gehen Ihnen Bewegungen von der Hand. Verstehen Sie Ihre Prothese! Pflege Sie sie. Pflege Sie auch Ihren Stumpf und Ihre weiteren Hilfsmittel – sie sind sehr teuer. Fragen Sie nach einer Prothesengebrauchsschulung und versuchen Sie eine Gewichtszunahme unter allen Umständen zu vermeiden!
Bauen Sie ihr Selbstwertgefühl auf mit den 3 S’s:
- Support-Team,
- Selfcare (Hobbies und Interessen neu entdecken/weiterführen, Bewegung etc.)
- SpiritualGrowth
- Bewegen Sie sich! Bewegung hilft nicht nur den Stress und andere negative Emotionen zu lösen, sondern trägt der allgemeinen Gesundheit bei, was gleichzeitig auch den Heilungs- und Rehabilitationsweg beschleunigen kann.
- Denken Sie daran: AKZEPTANZ bedeutet auch die neue Situation realistisch zu beäugen. Heutige Hilfsmittel sind schon weit Fortgestritten, jedoch wird keines dieser Mittel die fehlende Extremität 1:1 rekonstruieren können. Machen Sie das Beste daraus! Freuen Sie sich über kleine Errungenschaften!
- Involvieren Sie Angehörige und Vertraute, die Sie unterstützen, motivieren und empowern! Sie können eine wichtige Stütze sein.
- Erkennen Sie Ihre Gefühle an
- Das Anerkennen Ihrer Gefühle kann den Heilungsprozess beschleunigen und Ihnen helfen den Verlust Ihrer Gliedmaße zu überwinden. Es ist in Ordnung, wenn Sie sich wütend oder traurig fühlen. Es kann sein, dass Sie viele andere Gefühle erleben, bis Sie Ihr neues Leben akzeptieren. Erlauben Sie sich, all die verschiedenen Gefühle zu empfinden, die auftauchen, anstatt sie zu verdrängen. Wenn Sie das Gefühl haben, in einem Gefühl festzustecken, sollten Sie ggf. therapeutische Hilfe aufsuchen.
- Erlauben Sie sich negative Emotionen auszudrücken
- Es ist besser, negative Gefühle auszudrücken, als sie zu ignorieren. Sie können über Ihre Gefühle in einem Tagebuch schreiben, sprechen, ein Bild malen oder ein Lied spielen - was immer Sie anspricht. Das Wichtigste ist, dass Sie Ihren Gefühlen freien Lauf lassen, damit Sie sie auf gesunde Weise verarbeiten können. Erlauben Sie sich negative Emotionen auszudrücken.
- Verbinden Sie sich mit Anderen
- Der Kontakt zu Anderen kann helfen, ein Gefühl der Isolation zu vermeiden. Es ist wichtig, mit Freunden und Familienmitgliedern, die gut zuhören können und optimistisch sind, Kontakt aufzunehmen. Sie können sich auch einer Selbsthilfegruppe anschließen, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, die das Gleiche durchgemacht haben wie Sie. Indem Sie Ihre Erfahrungen mit unterstützenden Menschen teilen, können Sie neue Bewältigungsstrategien lernen und Ihre Gefühle besser verstehen.
- Finden Sie ein Ziel
- Versuchen Sie, etwas zu finden, das Sie dazu bringt, jeden Tag mit Freude zu beginnen. Sie könnten sich auf eine berufliche Veränderung konzentrieren, ein neues Hobby aufnehmen oder sich ehrenamtlich in Ihrer Gemeinde oder für Menschen mit Beeinträchtigungen engagieren. Ein Ziel zu haben, ist ein Weg, ein zufriedenes Leben zu führen.
- Setzen Sie sich erreichbare Ziele
- Das Setzen realistischer und sinnvoller Ziele gibt dem Leben Sinn und Struktur. Wenn Sie Träume haben, auf die Sie hinarbeiten, kann das auch Ihr Selbstwertgefühl stärken. Ihr Therapeutenteam und Umfeld kann Ihnen helfen, Ziele zu setzen, die für Sie wichtig sind.
- Schaffen Sie eine tägliche Routine
- Eine tägliche Routine ist beruhigend und kann Ihnen helfen, sich auf Ihre Ziele zu konzentrieren, anstatt in der Vergangenheit oder in negativen Gefühlen zu schwelgen. Eine Routine kann auch dazu beitragen, dass Sie motiviert bleiben. Versuchen Sie, etwas Körperliches, Kreatives und Soziales in Ihren Tagesablauf einzubauen. Sie könnten zum Beispiel jeden Tag auch jetzt schon ohne oder mit wackliger Prothese Sport treiben, einem Hobby nachgehen und Kontakt zu Anderen aufnehmen. Achten Sie darauf, dass Ihre Routine auch Selbstfürsorge und Dinge, die Sie gerne tun, beinhaltet.
- THINK POSITIV!
- Eine positive Einstellung kann Menschen helfen, mit dem Verlust von Gliedmaßen umzugehen. Konzentrieren Sie sich auf die Dinge, die Sie tun können und auf die Art und Weise, wie Sie seit dem Verlust gewachsen sind. Sie haben gekämpft und so viel geschafft! Super! Weiter so! Positiv zu bleiben bedeutet nicht, dass Sie Ihre Gefühle ignorieren müssen. Es ist vielmehr eine Möglichkeit, sich auf seine Stärken zu konzentrieren und voranzukommen.
ALLE Punkte kann man mit kleinen Dingen, wie zum Beispiel den folgenden Tipps umsetzen:
- Verbringen Sie Zeit mit Freunden und Familienmitgliedern, die Sie unterstützen, und sprechen Sie über Ihre Gefühle.
- Setzen Sie realistische Erwartungen und akzeptieren Sie, dass sich Ihre Stimmung nicht sofort, sondern nur allmählich bessern kann.
- Versuchen Sie Sport zu treiben und sich gesund zu ernähren.
- Informieren Sie sich, damit Sie verstehen können, was Sie durchmachen.
- Warten Sie mit wichtigen Entscheidungen, bis Sie sich besser fühlen.
- Üben Sie tiefe Atemübungen, um Ihren Körper und Geist zu entspannen.
- Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken und nicht auf den Verlust.
- Bitten Sie Andere um Hilfe, wenn Sie sie brauchen.
- Nehmen Sie Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe auf.
- Ersetzen Sie negative durch positive Gedanken.
- Denken Sie daran, dass Sie nicht allein sind.

Vermeiden maladaptiver Bewältigungsstile
- Fehlangepasste Bewältigungsstile können ein Anzeichen dafür sein, dass Sie die Amputation nicht akzeptieren. Auch wenn es für niemanden leicht ist, mit dem Verlust von Gliedmaßen umzugehen, können fehlangepasste Bewältigungsstile Ihre Heilung erschweren.
- Hier sind drei verschiedene maladaptive Bewältigungsstile:
- Überkompensation:
- Überkompensation bedeutet, sich in einer Weise zu verhalten, die den eigenen Gefühlen entgegensteht. Zum Beispiel, wenn Sie Hilfe ablehnen, selbst wenn Sie sie brauchen.
- Vermeiden:
- Vermeidung bedeutet, dass eine Person ihr Verhalten ändert, um zu vermeiden, an ein Problem zu denken oder sich damit auseinanderzusetzen. Zu den Vermeidungsstrategien kann es gehören, sich von Anderen zu isolieren oder süchtig machende, selbstberuhigende Maßnahmen wie Drogenmissbrauch nachzugehen. Vermeiden Sie es, sich durch negative Vermeidungsstrategien abzulenken!
- Aufgeben:
- Beim Bewältigungsstil des Aufgebens lässt eine Person zu, dass sie sich über das erforderliche Maß hinaus von Anderen abhängig macht. Beispielsweise weigern Sie sich, aktiv an einer Rehabilitationsmaßnahme teilzunehmen, sondern verlangen stattdessen ein hohes Maß an Betreuung.
- Wenn Sie mit diesen Bewältigungsstilen kämpfen, kann Ihnen ein Gespräch mit einem Therapeuten helfen, effektivere und gesündere Wege zur Bewältigung Ihrer Gefühle einzuschlagen. Es ist nie zu spät, negative Denkmuster durch solche zu ersetzen, die Wachstum fördern.
- Bei folgenden, dauerhaften Symptomen sollten Sie einen Arzt aufsuchen:
- Müdigkeit oder Energielosigkeit
- Anhaltende Gefühle von Traurigkeit, Wertlosigkeit, Schuld oder Hoffnungslosigkeit
- Selbstmord- oder Selbstverletzungsgedanken
- Schlafschwierigkeiten oder Verschlafen
- Verlust des Interesses an Hobbys oder Aktivitäten, die Ihnen früher Spaß gemacht haben
- Erhebliche Gewichtsabnahme
- Überkompensation:
- https://pamhealth.com/company/company-updates/coping-with-limb-loss-tips-and-strategies
- https://www.limbs4life.org.au/news-events/news/practical-coping-strategies-to-help-amputees-and-their-families
- Verra, M. L., Angst, F., Lehmann, S., & Aeschlimann, A. (2006). Translation, cross-cultural adaptation, reliability, and validity of the German version of the Coping Strategies Questionnaire (CSQ-D). The Journal of Pain, 7(5), 327-336.
- Couture, M., Desrosiers, J., & Caron, C. D. (2012). Coping with a lower limb amputation due to vascular disease in the hospital, rehabilitation, and home setting. International Scholarly Research Notices, 2012.
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- Dadkhah, B., Valizadeh, S., Mohammadi, E., & Hassankhani, H. (2013). Psychosocial adjustment to lower-limb amputation: A review article. HealthMED, 7(2), 502-507.