3. Phantomschmerz

Reiter

Abgrenzung Phantomgefühl von Phantomschmerz

  • Phantomsensationen, wie spürbare verbliebene Extremitäten in grotesken Stellungen, Kinästhesien (sich bewegende Phantomglieder) oder verkürzte (shrinking) bzw. eingezogene (telescoping) Gliedmaßen sind sehr weit verbreitet (über 50% der Amputierten berichten darüber).
  • Ebenso kitzeln, ziehen und drücken der nicht mehr existierenden Körperteile. Besonders das telescoping gilt dabei als ein Risikofaktor für entstehende Phantomschmerzen. Insgesamt sind es aber alles noch keine Schmerzen im eigentlichen Sinne, da sie noch keinen unangenehmen Charakter aufweisen.
  • Phantomschmerzen sind oben beschriebene Phantomsensationen in Verbindung mit einem deutlich unangenehmen Gefühl und konsekutivem Leidensdruck. Sie können einschießend und situativ vorkommen (z.B. bei Aufregung, Angst oder Trauer) oder chronisch auftreten. Meistens handelt es sich um neuropathische Schmerzen, und werden deshalb auch als solche therapiert.

Терапія

Therapie

Wichtig ist zu wissen, dass sich ein Großteil der Phantomschmerzen mit der Benutzung der Prothese deutlich reduzieren oder gar verschwinden. Ein großes Therapieziel ist aus diesem Grund eine möglichst frühzeitige Prothesennutzung. Phantomschmerzen sollten multimodal behandelt, nach individuellen Therapieplänen (Verfügbarkeit, individuelle Wirksamkeit, Akzeptanz) und engmaschig evaluiert werden. Folgende Therapie-Optionen können versucht und kombiniert werden:

  • TENS (kontralateral und ipsilateral) als Gegenirritationsverfahren (siehe Kapitel "Schmerz")
  • Wickelungen und Liner:
    • Um dem sensomotorischen Kortex schnell zu spiegeln, dass das Bein ab der Amputationshöhe nicht mehr vorhanden ist, sind feste Wickelungen und eine frühzeitige Anpassung und Verwendung von Liner sinnvoll. Dies ist auch im Rahmen der postoperativen Stumpfversorgung sinnvoll und ergänzt sich hier somit.
  • Bürstungen / Sensorisch-perzeptive Therapie (siehe Kapitel "Schmerz")
    • Ebenso kann die Patientin bzw. der Patient selbst von distal mit der flachen Hand auf den Stumpf drücken oder mit beiden Händen fest den Stumpf umgreifen und drücken. Dies fördert ebenso die Empfindung des verbliebenen Stumpfes und kann den empfundenen Phantomschmerz reduzieren. Die gleichen Effekte haben Bürstungen und andere sensorisch-perzeptive Therapien am Stumpfende, um immer wieder die neuen Körpergrenzen auch im sensorischen Kortex umzulernen und durch Neuroplastizität ein neues Körpergefühl zu generieren.
  • Spiegeltherapie (ST) und Augmented Reality (AR) (siehe Kapitel "Schmerz")
  • Antikonvulsiva und Trizyklika
    • Wie bereits bei neuropathischem Stumpfschmerz ist auch beim Phantomschmerz mit rascher Aufdosierung von Antikonvulsiva (Pregabalin oder Gabapentin) eine Reduktion der Schmerzen wahrscheinlich. Ebenso begleitend können Trizyklika oder SSNRI als Co-Analgetikum angewendet werden (siehe hierzu das Kapitel "Stumpfschmerz").

Ab der Interimsphase reduzieren sich bei über 50% die Phantomschmerzen deutlich. Sollte noch bei endgültiger Schaftversorgung und abgeschlossener Wundheilung Phantomschmerz persistieren, ist die Therapie stark auf behaviorale und neuroplastizitäre Inhalte zu fokussieren (Spiegeltherapie, Augmented realiy, Psychotherapie (Traumatherapie), Imagination, Entspannungsverfahren).